Diakonisches Jahr im Ausland
Diakonisches Jahr im Ausland (DJiA)

Johannes und Ben (DJiA in der Slowakei 2013-14)

12 Monate Slowakei – Zwischenbilanz des vielleicht besten Jahres unseres Lebens

Es ist irgendwann im Frühling 2013 und die Zusage für das DJiA in der Slowakei liegt im Briefkasten. Slowakei? Warum denn Slowakei? Diese Frage stellen die meisten, wenn wir gefragt werden, wo es denn nach der Schule hingehen soll. Eigentlich wissen wir es selber nicht. Bei der Länderauswahl haben wir einfach spontan Slowakei angekreuzt. Und so wollte es das Schicksal dann auch.

Eine Woche vor dem Start in die Slowakei lernten wir uns auf dem DJiA-Vorbereitungsseminar in Erfurt kennen. Wir beide also, zusammen für ein Jahr in Zilina, Slowakei!

Wo liegt eigentlich nochmal Slowenien..ähh..die Slowakei? Und was ist bitte Zilina? Laut Google die drittgrößte Stadt der Slowakei, 80.000 Einwohner, irgendwo im Norden, nah der Grenzen zu Tschechien und Polen. Aha...Slowakei und nicht mal Bratislava...naja mal gucken wie das wird.

Es ist der 5. August 2013 und das Abenteuer Slowakei beginnt. Mit typischen Osteuropavorurteilen und ohne jegliche Sprach- und Länderkenntnisse kommen wir in Zilina an. Am Bahnhof  wartet dann auch schon gleich das Empfangskomitee, bestehend aus lokalen Freiwilligen (überwiegend weiblich) und dem DJiA-Freiwilligen des vorherigen Jahres Felix. Zur Begrüßung wurde man umarmt, abgeknutscht und angemalt – Willkommen in Zilina!

Kleiner Kulturschock...weiter geht’s....zu unserem neuem zu Hause.

„Nadácia Krajina harmónie“ heißt unsere Organisation zu Deutsch  „Land der Harmonie“, wir nennen sie immer nur die „Foundation“. Ein Jahr werden wir dort mit Menschen mit geistiger Behinderung arbeiten und auch mit ihnen zusammen leben. Im Haus der Organisation leben fünf Menschen mit Behinderung. Wir wohnen in einer WG  mit Petko und Vlado; mit denen wir uns Küche und Bad teilen. Außerdem haben wir beide ein Zimmer zusammen.

Wir werden von allen herzlich begrüßt und gleich auf ein Bier mitgenommen. Uns überraschen die vielen jungen, lokalen Freiwilligen, die nach der Schule sich noch die Zeit nehmen und in der „Foundation“ helfen.

Felix, unsere Mentorin Tereza und einige der lokalen Freiwilligen haben uns in den nächsten Wochen alles gezeigt, sodass wir recht schnell alles Wichtige kennengelernt  habe.

Dem Alltag sollten wir erst später begegnen, denn „Jasidielna“ und der „youth exchange“ standen vor der Tür. „Jasidielna“ (übersetzt: Spaßworkshop) ist ein alljährlich Festival für Menschen mit und ohne Behinderung, welches in der ersten Septemberwoche drei Tage lang im Zentrum von Zilina stattfindet. Unsere Organisation richtet dieses Festival schon seit 24 Jahren aus und es ist sogar so bekannt in der Slowakei, dass im Fernsehen darüber berichtet wird. Dieses Jahr war das das Thema „Shakespeare“. Parallel zu „Jasidielna“ fand der „youth exchange“ statt. Dies ist ein internationaler Austausch. Dazu kamen Gruppen mit und ohne Menschen mit Behinderung aus Italien, der Türkei, Irland, Portugal, Deutschland und Tschechien zu uns nach Zilina. Alle unter dem Motto „We are all In (klusion)“.

Es musste also viel vorbereitet werden. Die ganze Zeit bauten wir Figuren, malten, bastelten und überlegten uns Ideen für das Programm des Festivals. Jeden Tag kamen mehr lokale Freiwillige um zu helfen. Der „youth exchange“ fing eine Woche vor „Jasidielna“ an und während wir ein tolles, buntes Programm hatten und Ausflüge machten, liefen die Proben für das Theaterstück „Shakespeare“ auf Hochtouren. Es war der Höhepunkt des Festivals und war der perfekte Abschluss. Wir könnten den ganzen Bericht über diese beiden Ereignisse schreiben, doch dieses Fazit muss reichen. Die Wochen der Vorbereitung, der „youth exchange“ und „Jasidielna“ zählen nun zu den besten unseres Lebens. Wir haben so viele tolle Menschen aus allen möglichen Ländern kennengelernt, unvergesslich schöne Momente und eine magische Atmosphäre erlebt. Es war einfach alles perfekt, alles hat gepasst.

Nach „Jasidielna“ ging es sofort weiter nach Bratislava. Dort hatten wir das Ankunftsseminar unsere Hostorganisation, wo wir viele neue Bekanntschaften mit anderen internationalen Freiwilligen machten. Aber auch die anderen slowakischen DjiA-Freiwilligen, die wir auf dem  Vorbereitungsseminar kennengelernt hatten, wiedertrafen. Das Ankunftsseminar beinhaltete auch einen Sprachintensivkurs, wovon wir leider aufgrund des Festivals die Hälfte verpassten. Nach dem   diesem Ankunftsseminar ging es sofort weiter zum nächsten. Diesmal vom EVS (European Volunteere Service), unsere Förderorganisation. Also auf in die „Hohe Tatra“, dem höchsten Gebirge der Slowakei, nach Novy Smokovec. Dort lernten wir wieder neue internationale Freiwillige, die überall verstreut in der Slowakei arbeiten, kennen.

Nach diesem Seminar war erst mal Schluss mit dem Leute Kennenlernen. Wir haben noch nie so viele neue Bekanntschaften gemacht, wie in den ersten beiden Monaten des DJiAs.

Wieder zurück in Zilina starteten wir nach zwei Monaten das erste Mal in den Alltag. Unsere Aufgabe ist in erster Linie die Freizeitgestaltung für die Menschen mit Behinderung.

Zum Beispiel: Kochen, Fotoworkshop, Sport, Länderclub, Filmabende, Spiele, Malen oder Basteln.

Meist kommen 10-12 Menschen mit Behinderung, manchmal aber auch nur 5 und manchmal 20. Das Freizeitprogramm muss also immer flexibel sein und einen Plan B in der Tasche ist auch nicht schlecht. Meist machen wir vormittags „Hausmeistertätigkeiten“ und ab Mittag fängt das Freizeitprogramm an.

Fast jedes zweite Wochenende fahren wir alle zusammen (Menschen mit Behinderung und lokale Freiwillige) auf zwei verschiedene Hütten in den Bergen und verbringen dort ein paar erholsame Tage mit vielen Spielen und kleinen Wanderungen. Der Nationalsport in der Slowakei ist Eishockey   und so kommt es oft vor, dass wir zusammen Spiele des lokalen Eishockeyclubs MSHK Zilina besuchen. Insgesamt ist die Arbeit ziemlich abwechslungsreich und macht viel Spaß. Alles ist unproblematisch und wir kommen mit jedem seht gut aus.

Jeden Montag haben wir vier Schulstunden Sprachunterricht, doch das meiste Slowakisch lernt man zwischendurch. Um etwas weniger Geld für unseren Sprachunterricht zu bezahlen, geht jeder von uns einmal die Woche zur Sprachschule und hilft beim Deutschunterricht mit.

Im Dezember stand das nächste größere Event an: „Zbierka“. Das heißt auf Deutsch so viel wie „Spendensammlung“. Diese Aktion ist sehr wichtig für unsere Organisation, da alles ausschließlich durch Spenden finanziert wird. Unsere wesentliche Aufgabe bestand darin vier Tage die Woche im ganzen Dezember bis Weihnachten fremde Leute in einem Clownskostüm in einer uns kaum bekannten Sprache nach Geld zu fragen. Dies erforderte etwas Überwindungsarbeit am Anfang. Es war verdammt anstrengend 12 Stunden pro Tag Leute nach Geld zu fragen und dabei immer zu lächeln und ja nicht müde oder gelangweilt zu wirken. Dennoch war es eine tolle Erfahrung und hat viel Spaß gemacht mit den Menschen mit Behinderung und den anderen Freiwilligen unsere Organisation „Zbierka“ zu erleben.

Auch das Reisen und unsere Freizeit kommen nicht zu kurz. Reisen mit dem Zug kosten im Vergleich zu Deutschland gefühlt nichts. Bratislava, Wien, Krakau, Budapest und kleinere Städte in der Slowakei haben wir schon besucht. Zu den Highlights zählen ein Billy Talent Konzert in Krakau und ein Fußball-Championsleague-Spiel in Wien. Die Berge um Zilina eignen sich wunderbar zum Wandern und Klettern. Unter Woche spielen wir regelmäßig Fußball bzw. gehen zum Wasserballtraining.

Das Beste sind dennoch die Begegnungen mit neuen Menschen, die man im Laufe des Jahres macht. Wir haben viele neue Freunde aus allen möglichen Ländern gefunden. Wir sind nach Ägypten, in die Türkei und nach Irland eingeladen und haben nun Kontakte in ganz Europa.

Unvergesslich bleiben aber immer noch die Abende mit den Slowaken, die nicht selten feucht-fröhlich enden, was wahrscheinlich daran liegt, dass Bier billiger als Wasser ist.

Zusammengefasst können wir sagen: Wir haben den Jackpot gezogen! Zilina ist unser zweites zu Hause und wir haben eine zweite Familie gefunden. Hier wollen wir einfach mal DANKE sagen, für das vielleicht beste Jahr unseres Lebens.

Also an alle, die gerade überlegen was sie nach der Schule machen wollen. Macht ein Auslandsjahr, es ist das Beste, was ihr nach der Schule machen könnt. Wagt etwas komplett Neues, seit offen für das Unbekannte und ihr werdet nicht enttäuscht werden. In diesem Sinne „Nazdravie“!

 

Ben und Johannes

Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend
Diakonie
Gefördert von:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Jugend in Aktion
Evangelische Kirche in Deutschland: EKD