Diakonisches Jahr im Ausland
Diakonisches Jahr im Ausland (DJiA)

Zwischenbericht Annika (DJiA in Polen 2013-14)

 

Polen, das Land der unglaublich freundlichen Menschen und des guten Essens, hat mich vor ungefähr einem Jahr in seinen Bann gezogen. Was bei einer Kursfahrt im Herbst 2012 begann, entwickelte sich sehr schnell zu einer immer konkreteren Idee. Ein Jahr im Ausland zu verbringen war schon lange mein Wunsch. Nach dem Abitur schien mir der perfekte Zeitpunkt dafür. Wann sonst kann man sich schon einmal aufmachen und das Leben in der Fremde, in einem anderen Land, kennenlernen? So richtig für Polen entschieden, habe ich mich dann, als ich wusste, in welche Länder ich als DJiAlerin entsendet werden konnte. Über die Zusage habe ich mich dann dementsprechend riesig gefreut und nur wenige Monate später sollte es dann auch losgehen.

Begonnen hat mein DJiA in Warschau. Gleich zu Beginn hatten wir, also alle DJiAler/innen, dort ein Seminar, bei dem wir die Gelegenheit hatten uns alle kennenzulernen und auch die Hauptstadt zu erkunden. Hier habe ich dann auch endlich meine spätere Mitbewohnerin Claudia kennengelernt. Wir wussten bis dahin nichts voneinander und konnten uns nun also schon einmal auf neutralem Terrain beschnuppern. Sofort verflogen die ersten Ängste, denn die Chemie stimmte. Zuvor hatte ich mir noch Sorgen gemacht, was wohl passieren würde, wenn wir nicht miteinander klarkämen, aber bis jetzt verstehen wir uns super und ich wüsste nicht, warum sich das ändern sollte.

In den ersten Tagen in meiner Einsatzstelle im Ewangelickie Centrum Diakonii i Edukacji (ECDiE), einer Schule mit vielen verschiedenen Schulformen und Schwerpunkten, habe ich mich schnell eingelebt. Am Anfang war es ein bisschen schwierig, sich in dem großen Gebäudekomplex zurechtzufinden, aber nach ein paar Tagen kein Problem mehr. Ich wurde sehr herzlich von meinen Mentoren empfangen und auch die anderen Lehrer habe ich nach und nach kennengelernt. Mir wurde bei der Kontoeröffnung in der Bank geholfen und auch eine polnische Handykarte musste ich mir nicht alleine besorgen. Die neue Wohnung wurde schnell ein Zuhause für mich und auch Wrocław als Stadt begeistert mich bis heute immer wieder.

Schnell haben wir uns im ECDiE zusammengesetzt und einen Stundenplan erstellt, der immer mal wieder verändert wird. Ich habe sehr viele verschiedene Einsatzbereiche, was ich total klasse finde, da ich überall ein wenig Einblick gewinne. In der deutsch-polnischen Grundschule bin ich sehr oft eingeteilt. Dort helfe ich im Deutschunterricht. Meist bin ich dafür zuständig Wörter vorzusprechen und die Kinder wiederholen diese dann. Außerdem kann ich Kindern bei stillen Aufgaben helfen, wenn sie etwas nicht wissen oder nicht verstehen. Wir studieren auch oft Lieder ein, was mir großen Spaß bereitet. Mit den älteren Schülern der Grundschule führe ich Konversationen auf Deutsch, immer zu dem Thema, dass sie gerade im Unterricht behandeln. Eine meiner Aufgaben ist es außerdem, die Kinder zum Mittagessen zu begleiten und dort mit ihnen zusammen am Tisch deutsch zu reden, was nicht immer klappt, aber immerhin können sie „Guten Appetit“ sagen. J Einmal in der Woche bin ich im Hort, wo ich mit einzelnen Schülern Lesen übe, oder wir spielen Spiele. Am Freitag fahre ich mit einigen Kindern und einer Lehrerin ins Schwimmbad. Dort warte ich während des Schwimmunterrichts, um die Kleinen danach beim Föhnen der Haare zu unterstützen. Ab und zu gibt es kleinere und größere Ereignisse, bei denen ich als Freiwillige besonders gebraucht werde, wie beim Basteln der Laternen für den Martinsumzug, beim Plätzchenbacken im Advent oder beim Besuch einer Schulklasse aus Berlin. Die Arbeit in der Grundschule macht mir besonders viel Spaß, da es immer etwas zu tun gibt und ich das Gefühl habe, dass ich keine sinnlose Arbeit mache.

Ein zweiter großer Teil meines Dienstes sind die Aufgaben im integrativen Gymnasium. Hier helfe ich einerseits Schülern, im Unterricht dabei zu bleiben oder ich übernehme das Schreiben. Nachmittags gebe ich Nachhilfestunden in Englisch oder Deutsch, die ich selbst vorbereite. Hierbei musste ich feststellen, dass es sehr schwierig ist, anderen Menschen die deutsche Sprache beizubringen. Aber mittlerweile komme ich ganz gut klar. Auch im Gymnasium gibt es immer wieder besondere Veranstaltungen, bei denen ich helfe, Dinge zu organisieren und zweimal habe ich schon mit meiner Oboe vorgespielt.

Ein Bereich, der mir auch sehr viel Freude bereitet, ist die Schule für geistig behinderte Menschen. Wir basteln sehr viel und dort ist immer eine gute Stimmung. Am Anfang hatte ich noch ein paar Verständigungsschwierigkeiten, aber jetzt klappt es eigentlich sehr gut.

Im Sekretariat bin ich auch sehr gerne. Dort gibt es meist Kopieraufgaben, ich ordne Akten, tippe etwas in den Computer ein oder gehe zur Post. Manchmal ist es wie eine Insel der Ruhe und ich kann ein wenig abschalten vom Präsentsein im Unterricht.

Probleme sind hier bisher noch nicht aufgetreten. So manches Mal musste ich mich schon mit der polnischen Spontanität auseinandersetzen, wenn ich zum Beispiel plötzlich am Samstag in die Schule kommen sollte oder ein Ausflug geplant war, von dem ich nichts wusste, aber es hat bisher immer alles geklappt und vor kurzem wurde ein Kalender aufgehängt, in den jetzt fleißig reingeschrieben werden soll, wenn etwas Besonderes anliegt. Dies ist auch ein Beispiel, warum ich mich hier sehr wohl fühle. Wenn ich etwas brauche oder ich etwas anspreche, bemühen sich alle sofort um eine Lösung. Meine Mentoren in der Schule haben immer ein offenes Ohr. Ich kann sie jederzeit ansprechen oder anrufen, was mir ein Gefühl des Willkommenseins gibt. Auch mit der Betreuung durch die Diakonie in Polen und das DJiA-Team bin ich sehr zufrieden! Bisher gab es nicht sehr viele Probleme, weshalb ich mich nicht so oft melden musste. Ich habe das Gefühl, dass alle sehr interessiert daran sind, wie es mir geht und wie ich hier klarkomme. Begeistert war ich auch von den Kleinigkeiten, die sich das DJiA-Team ausgedacht hat, angefangen beim Trostpflaster und Tagebuch für jeden Freiwilligen beim Vorbereitungsseminar, dann Geburtstags- und Weihnachtskarten im Briefkasten. Ich bin schon gespannt, was noch so alles auf mich wartet, weiß aber jetzt schon ganz genau, dass ich mich für die richtige Organisation entschieden habe!!!

Ganz besonders viel Spaß macht mir auch das Erlernen der polnischen Sprache. Ich gehe unglaublich gerne zum Sprachkurs und in der Einsatzstelle lerne ich auch jeden Tag etwas Neues. Ich hätte von mir selbst nicht gedacht, dass ich mit der Sprache so gut zurechtkomme. Auch im alltäglichen Leben wird es für mich immer einfacher. Außerdem habe ich seit kurzem eine Tandempartnerin, mit der ich mich treffe und wir reden dann Deutsch oder Polnisch. Schön ist auch, dass hier niemand böse oder genervt ist, wenn ich länger für das Bilden eines Satzes brauche. Meistens sind die Leute amüsiert und freuen sich, dass ich versuche, mich in dieser doch wirklich schwierigen Sprache auszudrücken.

Schon nach fast vier Monaten sind für mich einige Dinge klar geworden. Ich bin ein totaler Familienmensch. Dadurch, dass ich Weihnachten nicht zu Hause in Deutschland verbracht habe, sondern bei einer Freundin in Polen, habe ich gemerkt, wie wichtig doch die Traditionen meiner Familie für mich sind. Es war so schön, über Silvester etwas Zeit mit der Familie zu verbringen, auch, wenn ich so gerne hier in Wrocław bin. Mich haben die letzten Monate schon viel stärker gemacht. Zum Beispiel mache ich mir nicht mehr so schrecklich viele Gedanken darüber, was passieren könnte, wenn… Es ist ein tolles Gefühl in der eigenen Wohnung zu wohnen und zu merken, dass man auch ganz gut ohne Mamas Hilfe auskommen kann. Ich habe für mich herausgefunden, dass ich später in einer Wohngemeinschaft wohnen möchte und nicht alleine, was mir vorher nicht so klar war und so geht es mir in vielen Dingen. Es wird mir immer klarer, was ich eigentlich möchte. Was unwichtig für mich ist und welche Menschen ich gerne bei mir habe.

Deshalb bin ich froh, hier zu sein. Es ist ein wunderbarer Weg, das Leben und sich selbst kennenzulernen und in der Einsatzstelle kann man nicht nur anderen Menschen sondern auch sich selbst helfen. Das tut gut!!

Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend
Diakonie
Gefördert von:
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Jugend in Aktion
Evangelische Kirche in Deutschland: EKD