Diakonisches Jahr im Ausland
Diakonisches Jahr im Ausland (DJiA)

Zwischenbericht Hannah (DJiA 2013-14 in Frankreich)

Seit dem 2. September 2013 arbeite ich gemeinsam mit Alina in dem Seniorenheim „Les Bleuets du Pilat“ in Pélussin (eine  Autostunde von Lyon entfernt) als Animateurin. 

Bereits bei unserer Ankunft wurden wir freundlich aufgenommen und hatten in der ersten Woche Zeit, um uns einzugewöhnen. So bekamen wir bei der Animation, die wir später alleine machen sollten, Unterstützung von einer der Schwestern. 

Das Seniorenheim bietet Platz für ca. 40 Senioren, die teilweise dauerhaft, teilweise wenige Wochen zur Erholung kommen. Es wird von Mitgliedern der katholischen Gemeinschaft „Chemin Neuf“ geleitet.

In der zweiten Woche haben wir den Plan für das Animationsprogramm festgelegt:

Montag: Gesang

Dienstag: Gymnastik und Geschicklichkeitsspiele

Mittwoch: besondere Animation

Donnerstag: Gesang oder Spiele

Freitag: Basteln

Diese Animation beginnt um 15 Uhr und endet ca. um 16:30 Uhr. 

Vormittags (von 9 Uhr bis 12 Uhr) haben wir Zeit, die Animationen vorzubereiten, spielen Brett- oder Kartenspiele mit den Senioren, gehen mit ihnen spazieren, oder bieten ihnen die Möglichkeit zum Gespräch.

Montagmorgens treffen Alina und ich uns außerdem mit der Direktorin des Seniorenheims, Geneviève des Goÿs, die uns auch als Tutorin zur Verfügung steht, um die vergangene Woche zu reflektieren und bevorstehende Aufgaben zu besprechen.

Dienstagmorgens erledigen wir die persönlichen Einkäufe der Senioren, wofür uns das Auto der Einrichtung zur Verfügung steht.

Von 12 Uhr bis ca. 13:30 Uhr essen wir gemeinsam mit den Bewohnern zu Mittag.

Unsere Mittagspause dauert noch bis 14:45 Uhr.

Die Animation am Nachmittag läuft im Einzelnen so ab:

Für den Gesang am Montag stehen uns zwei verschiedene Liedordner mit bekannten französischen Chansons zur Verfügung. Diese werden entweder von uns mit Trompete oder Klavier oder von einer Musik-CD begleitet.

Dienstags beginnen wir meistens mit einem Schwungtuch oder dem Kneten von Bällen. Danach folgen verschiedene Sitzgymnastikübungen und zum Schluss folgt ein Geschicklichkeitsspiel oder eine Entspannungsreise. 

Wir bemühen uns, die Mittwochnachmittage so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Daher sind wir in der wärmeren Anfangszeit oft nach draußen gegangen, um Pétanque zu spielen. Desweiteren zeigen wir Filme, teilweise Spielfilme, teilweise informative Filme aus dem „Net for God“-Repertoire, die von Chemin Neuf in verschiedenen Ländern gedreht werden). Außerdem bekommen wir häufig Besuch von einzelnen Angehörigen der Senioren, die mit uns singen, Bilder der Region zeigen, oder Gedichte bzw. Geschichten vortragen (manchmal sogar mit einer ganzen Gruppe). Außerdem haben wir bereits die Käserei im Dorf besichtigt und weitere Ausflüge (z.B. zu einem Biobäcker) sind bereits in Planung.

Am Donnerstag singen wir entweder noch einmal oder wir bieten verschiedene Spiele an, die das Gedächtnis und die Kreativität der Residenten fördern. 

Am Freitag basteln wir mit den Bewohnern verschiedene Dinge. So stellen wir beispielsweise die Dekoration der nächsten Jahreszeit selbst her. Im Winter entstanden dabei unter anderem ausgeschnittene Schneeflocken und selbst gemalte Weihnachtsbäume und –krippen. Außerdem haben wir gemeinsam Unterlagen für die Esstische im Speisesaal beklebt und einlaminiert, „Bücherwurm“-Lesezeichen, Steinbilderständer und ähnliches für das eigene Zimmer der Senioren gebastelt.

Nach der Animation um16:15 findet das Goûter (das Kaffeetrinken) statt, bei dem wir oft anwesend sind, um uns mit den Senioren und ihren Angehörigen zu unterhalten und sie besser kennen zu lernen.

Der Rest des Nachmittags steht zu unserer freien Verfügung. 

Um 18:30 essen wir schließlich mit den Mitgliedern der Gemeinschaft zu Abend.   

Selbstverständlich gibt es hier auch besondere Animationsnachmittage zu besonderen Anlässen: So haben wir z. B. schon ein kleines „Oktoberfest“ mit Brezeln (gibt es in Frankreich ja leider nicht...), Bier, selbstgemachtem Obazda, Dosenwerfen und Maßkrugstemmen gefeiert. Zu diesem Anlass haben wir auch die Geburtstage der Monate Aug-Okt gefeiert.

Dieses Fest war Teil der „Semaine Bleue“, die dieses Jahr vom 21.-25. Oktober in Frankreich stattfand. Es ist eine Art „Woche der offenen Tür“, während der Außenstehende die Möglichkeit bekommen sollen, einen Einblick in das Leben einer Seniorenresidenz zu erhalten. Auch die anderen Tage verliefen erfolgreich, das wohl auch dem Besuch einer Psychologin zu verdanken ist, die über das „gemeinsame Altern“ referiert hat. Sie hat den Bewohnern Mut gemacht, sich „auch jetzt noch“ Ziele zu setzen und nicht aufzugeben, wenn etwas nicht gleich funktioniert. 

Anfang November wurde in unserem Dorf Pélussin ein Apfelfest veranstaltet. Es wurde mit der Wahl des besten Apfels der Region eröffnet, bei der auch einige unserer Bewohner mitwirkten.

Am 6. Dezember feierten wir ein Nikolausfest, bei dem es viele Leckereien gab. Jeder durfte von den Plätzchen kosten, die wir mit den Bewohnern gebacken haben. Außerdem haben wir selbstgemachte heiße Schokolade und Kinderpunsch vorbereitet. (Letzteres ist ebenfalls unbekannt in Frankreich).

Natürlich hat uns auch der Nikolaus höchstpersönlich einen Besuch abgestattet.

Mitte Januar haben wir die nächste Geburtstagsfeier veranstaltet, bei der jedes „Geburtstagskind“ der Monate Okt-Jan ein Stück der Riesenmilchschnitte, die Alina und ich gebacken haben, bekommen hat. Außerdem haben wir verschiedene Geschicklichkeitsspiele, bei denen man beispielsweise Toilettenpapierrollen mit einem Besenstiel stapeln musste, oder eine Papierkugel-Schneeballschlacht, gespielt. Die Bewohner waren guter Laune, es hat ihnen sichtlich Spaß gemacht.

Mit der Betreuung durch die Organisationen in Deutschland und Frankreich bin ich zufrieden. Die Mitarbeiter des DJiA haben uns mit einem sehr gelungenen Seminar bestmöglich auf unseren Auslandsaufenthalt vorbereitet und haben uns das Gefühl vermittelt, uns mit Fragen und Problemen stets an sie wenden zu können.

Auch mit der französischen Organisation VISA gab es, abgesehen von einer verspäteten Überweisung des Taschengelds zu Anfang und der Rückerstattung der Reisekosten zu den Seminaren, keine Probleme. 

Die Mitglieder der Gemeinschaft kümmern sich sehr gut um uns und bemühen sich, uns das Gefühl zu vermitteln, hier willkommen zu sein. So durften wir auch an der gemeinsamen Weihnachtsfeier der Mitarbeiter teilnehmen und gehen gemeinsam mit Schwester Betty ins Kino. Bei jeglicher Art von Problemen wissen wir, dass wir uns immer an sie wenden können.

So idyllisch unser kleines Dorf auch sein mag, bin ich auf jeden Fall froh, nicht alleine hier zu sein, sondern mit Alina zusammenzuarbeiten. Denn Jugendliche in unserem Alter haben wir hier im Dorf noch nicht kennengelernt. Am Wochenende können wir gemeinsam etwas unternehmen und auch die Abende sind zu zweit sicherlich schöner als allein. 

Diese gemeinsame Zeit hat uns sehr zusammengeschweißt, sodass sie mir beinahe wie eine Schwester vorkommt, die ich mir immer gewünscht habe. 

Auch die Senioren haben uns sehr freundlich aufgenommen. Sie sind nicht pflegebedürftig und ich war am Anfang erstaunt, wie gut die meisten noch alleine zurechtkommen. Einer der Bewohner hat uns beispielsweise einen „Dorfplan“ besorgt, ein anderer pflegt nachmittags seinen Garten oder arbeitet in seiner kleinen Werkstatt im Keller. Andererseits sind sie manchmal aber auch unsicherer als ich es erwartet hätte. Beispielsweise hätte ich nicht gedacht,  dass manche Bewohner beim Basteln oft nachfragen würden, ob sie die Bilder, die wir für sie gerichtet haben, ausschneiden und aufkleben dürfen, und wenn ja wie. Sie hatten einfach Angst, etwas falsch zu machen. Trotz der weitgehenden Selbstständigkeit merkt man ihnen aber die Freude über unsere Anwesenheit und ihr Interesse an uns deutlich an.

Selbstverständlich hat nicht von Anfang an alles so gut funktioniert, wie ich es manchmal erwartet hätte. Irgendwie geht es aber immer, wenn man nur geduldig ist und auf die Wünsche und Erwartungen der Senioren eingeht.

Es kam auch schon einmal vor, dass ein Spiel nicht gut angenommen wurde, weil eine Person dabei war, die keine Lust dazu hatte und die anderen negativ beeinflusst hat. Wie ich hier gelernt habe, darf man dann aber nicht die Hoffnung aufgeben und sollte es einfach ein anderes Mal wieder versuchen, wenn jemand danach frägt. Dadurch kann es sogar noch zu einem sehr beliebten Spiel werden.

Manchmal fällt es mir noch schwer, die Bewohner zu motivieren. Wenn sie sagen, sie schauen lieber fern oder aber das was wir vorhaben, sei nichts für sie, wusste ich oft nicht was ich entgegnen soll.

Sie lassen sich aber leicht begeistern, wenn man ihnen etwas Deutsches mitbringt.

So haben sie sich sehr über die deutschen Spezialitäten gefreut, die wir ihnen mitgebracht oder gebacken haben.

Mir wird auch im Moment bewusst, was damit gemeint ist, dass man bei der Betreuung mit älteren Menschen man so vieles wieder zurückbekommt.

Ich habe leider keine Großeltern mehr, aber manche habe ich schon so lieb gewonnen, dass sie mir beinahe wie meine eigenen Großeltern vorkommen. 

Sie sind sehr fürsorglich und interessieren sich sehr für uns.

Manche Herren spielen uns auch gerne mal einen kleinen Streich, über den man einfach nur lachen kann. 

Die Arbeit mit älteren Menschen gefällt mir sehr. Es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn man jemanden, der selten redet, dazu bringen kann, sich mit einem zu unterhalten oder wenn man jemanden zum Lachen bringen kann. 

Diese Zeit hat mir auch gezeigt, dass ich bereits selbstständiger bin, als ich vorher gedacht hätte. Ich hätte manchmal nur selbstbewusster an etwas herangehen müssen. Jetzt, wo ich manchmal auch ganz auf mich allein gestellt bin, wird mir das erst bewusst. 

Ich habe eigentlich noch nie wirklich Heimweh gehabt und dennoch fiel es mir nach einem Besuch zuhause immer wieder schwer, mich von meinen Eltern und Freunden zu verabschieden. Dann half es aber sehr, am Bahnhof auf Alina zu treffen und so nicht ganz allein zurückkehren zu müssen. 

Diese kleine Auszeit zwischen Abitur und Studium hat mir auf jeden Fall schon jetzt sehr gut getan. Ich konnte viele wertvolle Erfahrungen sammeln und auch mein Französisch ist flüssiger geworden. Außerdem kann ich Dinge machen, für die ich sonst, vor allem während der Schule, wenig Zeit hatte. 

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