Diakonisches Jahr im Ausland
Diakonisches Jahr im Ausland (DJiA)

Zwischenbericht Mona (DJiA in der Ukraine 2014-15)


Seit fünf Monaten lebe ich nun schon hier in Beregszász in der Westukraine. Ich habe vieles gesehen, viel gemacht und die verschiedensten Gefühlswelten durchlebt. Eine wirklich aufregende und erlebnisreiche Zeit!
Nun ist es Zeit für einen kleinen Zwischenbericht, in dem ich erzählen möchte, was ich schon alles erleben durfte und was hier genau meine Aufgaben sind. [...]

Meine Einsatzstelle ist der reformierten-ungarischen Kirche angehörig, was bedeutet, dass ich das Jahr über nicht Ukrainisch sondern Ungarisch lerne.

Zu Beginn hielt ich es für fast unmöglich die Sprache zu lernen, aber inzwischen kann ich mit Stolz sagen, schon einige Dialoge zu verstehen und verständlich machen kann was ich sagen möchte.
Das ist auch wichtig, denn meine Hauptaufgabe hier in der Gemeinde ist es, ältere Damen zu besuchen, mich mit ihnen zu unterhalten und ihnen etwas im Haushalt zu helfen.
Die Omas sind alle so um die 80 rum und die meisten sind super lieb und freuen sich sehr über meinen Besuch. Viele sind einsam, da sie keine Familie haben oder die Kinder aufgrund von mangelnder Arbeit in der Ukraine in ein anderes Land ausgewandert sind.
Oft handeln die Gespräche von Klagen über Schmerzen oder die immer teurer werdenden Preise von Lebensmitteln, Wasser und Strom. [..]

Ab und zu werden mir jedoch auch echt interessante Lebensgeschichten erzählt.
Für den Fall, dass ich dem Gespräch nicht ganz folgen kann, habe ich mein Lächeln und Nicken parat. :D Das geht jedoch nur so lange gut, bis sie mich etwas fragen und ich nur mit großen Augen da sitze und „Nem ertem“ (ich habe nicht verstanden) sage.
Ein weiterer Bestandteil meiner Besuche ist das Essen! Ich werde immer gut versorgt mit Kuchen, Kaffee, Keksen oder sogar einem Mittagessen. Mag sich vielleicht ganz gut anhören, jedoch fühlt man sich nach drei besuchten Omis wie eine ausgestopfte Gans. Wer glaubt man könnte zu dem angebotenen Essen “nein“ sagen, der irrt sich. 

Es gibt ein Sprichwort, was wirklich super zu den Menschen hier passt:

Jobb adni, mint kapni à Geben ist schöner als nehmen.

Obwohl die Menschen selbst nur sehr wenig zum Leben und Essen haben, macht es sie sehr glücklich, mich damit zu beschenken. Diese Bereitschaft des „Gebens“ bewundere ich sehr und ich wünsch mir diese Eigenschaft mit nach Deutschland nehmen zu können.

Eine meiner weiteren Aufgaben ist das Austragen von Essen an alte Leute. [...]

Anfangs war ich etwas geschockt, unter welchen Bedingungen einige Menschen hier leben. So haben viele kein fließend Wasser oder etwa Strom.
Scheinbar einfache Hausarbeiten werden so zu richtigen Herausforderungen und ich bewundere gerade die älteren Menschen, mit welcher Kraft, Zuversicht und Willen sie ihr Leben noch beinah selbstständig meistern.

Dienstags und mittwochs bin ich mittags in der Roma-Schule und helfe in der Mittagsbetreuung, in der die Kinder zwischen 7 und 10 Jahre alt sind.
Wir basteln, ich versuche ihnen zum Beispiel spielerisch (beim Seilhüpfen…) das Zählen auf Englisch beizubringen oder auch manche Gruppenspiele einzuüben.
Die Arbeit gefällt mir sehr gut, auch wenn es die mit Abstand anstrengendsten zwei Nachmittage sind.

Meine Arbeit hier ist also sehr vielseitig und jeder Aufgabenbereich birgt verschiedene Schwierigkeiten und Herausforderungen.
Ich wachse an meinen Aufgaben und habe bereits jetzt das Gefühl viel selbstständiger und selbstbewusster geworden zu sein.
Nach der ersten Hälfte meines Auslandjahres kann ich sagen, dass es die beste Entscheidung war, zwischen Schule und Studium ein Auslandsjahr zu machen und ich würde es auch jedem empfehlen, der mehr über sich selbst und vor allem eine andere Kultur lernen möchte.

Nun schaue ich aber voller Vorfreude und Zuversicht in die zweite Hälfte meines Freiwilligendienstes und bin gespannt, was mich hier noch alles erwartet.
 

 

 

 

 

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