Diakonisches Jahr im Ausland
Diakonisches Jahr im Ausland (DJiA)

Mein DJiA in Bolivien

Hey ich bin Tim. Ich berichte dir gerne von meinem DJiA in der Soforthilfe La Paz e.V. in Bolivien. Mein Arbeitstag beginnt meistens gegen 8:30 Uhr. Da der Verkehr in La Paz aber unberechenbar ist, verlasse ich das Haus oftmals deutlich früher. Ein oder zweimal wöchentlich bin ich im Rehabilitationszentrum der Soforthilfe. Es gab bereits vorher ein Bäckereiprojekt, in dem die Männer Brötchen für sich und die anderen Arbeitsbereiche der Soforthilfe gebacken haben. Die erste Lehrstunde wurde bereits gegeben und weitere sollen folgen. Für meine restliche Zeit in La Paz habe ich mir vorgenommen noch  ein Sportprogramm für die Männer zu erstellen und zu betreuen. Dort könnten sie Aggressionen ab- und das Selbstvertrauen aufbauen. Dafür möchte ich unter anderem ein Fußballturnier zwischen den verschiedenen Rehabilitationszentren organisieren. Dienstagnachmittags bin ich außerdem im Jugendgefängnis, wo ich mit den Jungs rede und mit ihnen Fußball spiele. Mittwochs haben wir die Armenspeisung, für die ich mit koche und an der ich auch teilnehme. Die Ernährung ist nicht der einzige Bestandteil der sogenannten „Redonda“. Es wird auch zusammen gesungen, gebetet und einer Predigt zugehört. Des Weiteren werden Vorträge zu Recht, Hygiene, etc. gehalten und alle zwei Wochen eine medizinische Erstversorgung angeboten. Den größten Teil meiner Arbeit macht die aufsuchende Straßenarbeit aus. Wir besuchen unterschiedliche Obdachlosengruppen, reden mit ihnen und geben ihnen Essen und Trinken. Gerade hierbei scheint meine Anwesenheit sinnvoll zu sein, da einige Männer sich mir gegenüber schneller öffnen.

Ich habe mich ziemlich schnell an meine Arbeit gewöhnt und kann mittlerweile auch deutlich besser mit den Schicksälen der Kinder und der Obdachlosen umgehen. Eigentlich ist es bemerkenswert, wie schnell man solche Umstände als fast schon normal akzeptiert. Im Vergleich zu meiner Anfangszeit suche ich mit jetzt auch die Arbeit, auf die ich mehr Lust habe. Außerdem übernehme ich jetzt mehr Verantwortung und erledige auch administrative Aufgaben.

Ich arbeite nur selten in unseren Kinderzentren „Cati“ und „Mi Casita“ trotzdem ist es immer wieder schön zu sehen, dass die Kinder auch unter den widrigsten Umständen lachen können und sich jedes Mal freuen, wenn sie einen sehen. Auch erfreut es mich, wenn wir einen Alkohol- oder Drogenabhängigen von der Straße holen können und er einen Entzug machen kann. Umso bitterer ist es, wenn man die Person, die man für viele Zeit im Rehzentrum betreut hat, bei der Straßenarbeit wieder verwittert und betrunken auffindet.

Zuletzt hatte die Soforthilfe geschlossen. Die Zeit habe ich genutzt um mit anderen Freiwilligen in Nordchile und Nordargentinien zu reisen. Des Weiteren ist Bolivien scheinbar wirklich deutlich indigener und weniger europäisch geprägt als Chile oder Argentinien. Als wir das erste Mal in einem chilenischen Supermarkt kamen waren wir durch die Breite des Angebotes vollkommen überfordert und wussten gar nicht, was wir kaufen sollten: Gewürzgurken von Kühne, das deutsche Edelmarzipan oder doch lieber Pumpernickel? Vor dem Supermarkt hielten die Autos dann plötzlich am Zebrastreifen an und keiner hupte-die Verwirrung war komplett. 

Von Anfang an wohne ich in einer Gastfamilie. Der Mann ist Bolivianer und die Frau lebte früher in Deutschland, nun aber seit mehr als 30 Jahren in Bolivien. Das Haus liegt in Sopocachi, einer ruhigen Region, in der man auch abends problemlos draußen rumlaufen kann. Ich habe mein eigenes großes Zimmer, mein eigenes Bad, in dem es meistens warmes Wasser gibt und eine sehr gute Verpflegung. Eigentlich hatte ich mir anfangs vorgenommen nach drei Monaten eine WG zu suchen. Ich fühle mich hier aber unglaublich wohl und werde wohl bei Manuel und Caroline bleiben. Mit ihnen mach ich Ausflüge, komme mit zu ihrem Landhaus am Titicacasee und sitze abends mit ihnen zusammen. Die Beiden sind unglaublich locker, so dürfen beispielsweise Freunde bei uns schlafen. Am 25. Dezember habe ich viele Mitfreiwillige zu uns eingeladen und wir haben alle zusammen Truthahn mit Semmelknödeln und Rotkohl gegessen.

Euer Tim

Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend
Diakonie
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Jugend in Aktion
Evangelische Kirche in Deutschland: EKD