Diakonisches Jahr im Ausland
Diakonisches Jahr im Ausland (DJiA)

Mein DJiA in einer Millionenstadt!

Athen, Athens, Αθήνα - hier bin ich nun, angekommen in der Millionenstadt. Auch wenn ich wusste, dass Athen viel größer als Ludwigsburg und Stuttgart ist, bin ich immer noch überwältigt von der Größe dieser Stadt. Was wird mich erwarten in diesem Jahr, werde ich mich wohlfühlen, meine Arbeit gut machen und mich gut integrieren? Alles Fragen, die mir durch den Kopf gingen, als wir am 15. September in den wirklich noch sehr sommerlichen Temperaturen hier ankamen.

Athen

Mein erster Eindruck von Athen ist ziemlich schwer in Worte zu fassen, aber ich habe mich von Anfang an unglaublich wohl gefühlt. Alles ist total lebendig zu jeder Tages- und Nachtzeit, die Menschen haben eine unglaubliche Offenheit, Lebensfreude und Gastfreundschaft, von der wir Deutschen uns einiges abschauen sollten:-)

Natürlich sieht man uns an, dass wir keine Griechen sind und auch wenn das Deutsch Griechische Verhältnis nicht immer das Beste war und ist, begegnen uns die Griechen mit einer Herzlichkeit, die mich immer wieder überwältigt. Schon beim zweiten Mal Essen gehen im Hiφαι wurden wir wiedererkannt und man ist ins Gespräch gekommen. Das ist kein Einzelfall, sondern schon mehrmals so gewesen und das ist es was mich so fasziniert an der griechischen Mentalität. Man lebt hier miteinander und nicht nur auf sich bedacht, sondern ehrlich am Gegenüber interessiert.

Nachdem ich mein Zimmer gestrichen habe, fühle ich mich hier richtig heimisch. Zu diesem Heimatgefühl trägt auch bei, dass wir uns inzwischen insgesamt viel besser in unserer Umgebung auskennen. Wir wissen wann Markt ist, wo wir am besten welche Lebensmittel einkaufen können und haben auch schon ein paar der vielen Cafés und Bars ausprobiert. Zusätzlich haben wir uns im Fitnessstudio angemeldet, was echt ein Glücksgriff war, weil ich zusätzlich zu den normalen Fitnessgeräten auch die Möglichkeit habe, fast jeden Tag ins Zumba zu gehen. Ansonsten gibt es in der Freizeit hier sehr sehr viel zu erkunden, wie gesagt Athen ist sehr lebendig und die Möglichkeiten sind von Kultur bis Party sehr vielseitig - auch wenn ausnahmsweise mal nicht die Sonne scheint.

Meine Arbeit

Ich arbeite im Kokkori, einem Wohnheim für Frauen mit geistiger Behinderung. Dieses Arbeitsfeld war bei meiner Bewerbung absolut nicht mein Erstwunsch, weil ich gerne mit Kindern oder Flüchtlingen arbeiten wollte. Ich habe mich damals dennoch dafür entschieden, weil ich irgendwie von Anfang an das Gefühl hatte, ich kann dem DJiA vertrauen, als sie gesagt haben, dass sie sich mich sehr gut im Kokkori vorstellen können. Sie hatten vollkommen recht!

Die erste Zeit habe ich aber noch etwas gezweifelt, weil ich mich absolut nicht mit den Mädels unterhalten konnte und die drei griechischen Praktikantinnen dann natürlich viel mehr mit ihnen anfangen konnten. Inzwischen habe ich da meinen Weg gefunden und die non verbale Kommunikation ist doch sowieso die schönste. So freuen sich die Mädels schon riesig wenn ich sie mit Namen begrüße und wenn ich das Haus betrete kommen direkt Mädels auf mich zu, um mir um den Hals zu fallen und mich mit Γεια σου Φρανσι (Hallo Franzi) zu begrüßen.

Meine Hauptaufgabe ist es den Mädels beim Duschen zu helfen, und auch wenn das vielleicht nicht für jeden was wäre, kann ich sagen, dass es so unglaublich lustig ist. Gerade weil wir manchmal Kommunikationsprobleme haben und das Wasser dann doch mal zu kalt ist oder die Haare nicht genug Shampoo abbekommen haben. Man entwickelt mit den Mädels kleine Rituale, wie gemeinsames Singen oder immer genau dieselbe Reihenfolge der Kleiderwahl. Inzwischen freuen sie sich immer, wenn sie hören, dass ich beim Duschen helfe und das ist ein sehr schönes Gefühl! Ich werde auch immer selbstständiger dabei, zum einen, weil ich die Sprache immer besser kann, zum anderen, weil ich gewisse Abläufe und Rituale der Mädchen inzwischen verstanden habe. Ansonsten bin ich manchmal im Unterricht dabei und helfe auch viel in der Küche mit, was mir mit am meisten Spaß macht, weil ich mich unglaublich gut mit der Köchin verstehe.

Dankbarkeit

Dieser Bericht, ungefähr zur Halbzeit ist ein guter Zeitpunkt, um die vergangene Zeit zu reflektieren und einfach auch dankbar zu sein!

Und das bin ich!! Ich bin so unglaublich überwältigt, wenn ich darüber nachdenke, was ich alles erleben durfte und wie Gott das ganze Jahr über immer bei mir war, auch wenn ich es im jeweiligen Moment oft nicht erkennen konnte. Alleine schon, dass ich jetzt hier in Athen sein darf und die Möglichkeit habe für ein Jahr hier zu leben und zu wirken. Ich hätte das vor einem Jahr wirklich noch nicht gedacht und es überwältigt mich, je mehr ich merke, wie sehr ich hier am richtigen Platz bin.

Es erfordert manchmal wirklich viel Mut, das „eigene Gott sein wollen“ abzulegen und auch mal ungewisse Wege zu gehen, mit dem Vertrauen, dass Gott da ist und dich begleitet, egal was passiert. Dass es sich lohnt durfte ich schon viele Male aufs Neue erleben. Aber ich habe irgendwann einfach für mich entschieden, dass ich darauf vertraue, dass Gott mich an meinen richtigen Platz senden wird und ich kann voller Überzeugung sagen, dass es die beste Entscheidung war meinen eigenen fixen Pläne ein Stück weit Platz zu machen für einen größeren Plan!

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