Diakonisches Jahr im Ausland
Diakonisches Jahr im Ausland (DJiA)

Neues Land, neue Leute ...

... neue Umgebung, eine andere Sprache und dazwischen irgendwo ich.

Als ich am 1. September in der deutschen evangelischen Kirchengemeinde in Lissabon ankam wurde ich sehr herzlich auf portugiesische Art mit Beijinhos, Küsschen links und Küsschen rechts empfangen. Meine Nachbarn, die Pfarrfamilie, hat mich sehr herzlich aufgenommen und auch mit den beiden Töchtern habe ich mich sofort verstanden. Auch der Kater der Familie hat mir sehr geholfen mich nicht ganz so alleine zu fühlen und hat mir oft Gesellschaft geleistet und auf meinem Sessel geschlafen. Aber auch die Gemeinde hat mich herzlich aufgenommen und es gab einen Gottesdienst bei dem ich noch einmal vorgestellt wurde.

Sprache lernen

Innerhalb der Gemeindemauern war es ganz einfach, es sprechen ja alle deutsch. Außerhalb wurde das dann schon etwas schwieriger. Es war einfach alles fremd und auch die Sprache war etwas befremdlich, obwohl ich sie ja von zuhause eigentlich schon kenne, da meine Oma Portugiesin ist. Trotzdem konnte ich kein Wort sprechen, das Verstehen war schon etwas einfacher, da ich Spanisch und Französisch in der Schule hatte. Aber da die Portugiesen oft sehr schnell reden und gerne den Anfang und das Ende eines Wortes verschlucken oder nuscheln war es trotzdem noch schwer genug. Wenn ich im Supermarkt einkaufen war, bin ich am Anfang einfach nur schnell durch, habe die Sachen gekauft die ich kannte und gehofft, dass mich keiner anspricht. Nachdem ich mich dann aber ziemlich bald für einen Sprachkurs angemeldet habe, wurde auch das mit der Sprache einfacher und das alltägliche Leben damit auch. Ich war eher eine etwas schüchternere Person und bei manchen Dingen hat mir einfach das Selbstbewusstsein gefehlt aber ich glaube, dass ich da ganz schön schnell dazu gelernt habe.

Zuhause habe ich mir oft gedacht, nein das kann ich nicht und hier bin ich oft mit der Einstellung ach, das klappt schon irgendwie an Situationen ran gegangen und so war es dann auch jedes Mal. Die Portugiesen haben bei allem Geduld und die Ruhe weg. „Paciência“ oder eben „Vamos ver“, wir werden sehen. Das ist etwas, was mir an diesem Land und der Mentalität hier einfach gefällt und sich das bewusst zu machen, dass alles schon irgendwie klappt und gut wird hat mir sehr geholfen.

Meine Arbeit

Meine Stelle ist aufgeteilt in die Arbeit in der Gemeinde und in die Arbeit bei der Bartholomäus-Brüderschaft mit ihrem Projekt „Hand in Hand“. In der Gemeinde könnte man mich ein bisschen als "Mädchen für alles" beschreiben. Es kann sein, dass ich Briefumschläge stemple, einen Artikel für den Gemeindebrief schreibe, Recherchen im Internet tätige, Feste, Aktionen oder sonstige Dinge vorbereite usw.  Sonntags bereite ich das Kirchkaffee vor, das heißt Kaffee kochen, Kekse bereitstellen und für Ordnung im Gemeindehaus sorgen. In der Kirche tausche ich die Kerzen aus, stecke die Liedtafeln, schalte die Heizung und das Licht ein und schaue auch hier ob alles in Ordnung ist. Parallel zum Gottesdienst findet der Kindergottesdienst statt, den ich vorbereite und durchführe. Bis jetzt hatte ich jeden Sonntag Kinder da, auch wenn es auch mal nur die beiden Töchter des Pfarrehepaars sind. Meistens sind es vier Kinder, aber manchmal auch mehr, im Alter zwischen zwei und acht. Des Weiteren ist es meine Aufgabe die Sachen für den Chor, der dienstagabends stattfindet und in dem ich auch selbst mitsinge, vorzubereiten. Dazu müssen Stühle im Kreis aufgestellt werden, ab und zu neue Noten kopiert werden, Getränke und etwas zum Knabbern bereitgestellt werden.

Die andere Hälfte meiner Stelle ist, wie schon erwähnt bei der Bartholomäus-Bruderschaft, die sich um Auslandsdeutsche in Lissabon kümmern, und ihrem Projekt „Hand in Hand“. Es geht um einen Besuchsdienst bei älteren Leuten. An vier Tagen in der Woche fahre ich zu Leuten und bin einfach für sie da. Sei es um einfach nur zuzuhören, zu reden, Filme anzuschauen, im Alltag zu helfen, Spiele zu spielen oder Dinge auf die diese Menschen Lust haben.

Freizeit

Freitags und samstags habe ich frei und im ersten Monat wusste ich da auch oft nicht was ich mit mir so ganz alleine anfangen soll. In der Gemeinde gibt es keine Leute in meinem Alter und auch sonst fand ich es etwas schwer Leute kennen zu lernen, da ich eben nicht so die Partygängerin bin. Durch den Sprachkurs habe ich dann ein paar Erasmus Studenten kennen gelernt, die waren aber leider nur ein Semester da. Irgendwann kam sonntags dann mal ein Mädchen in den Gottesdienst, eine Freiwillige im deutschen Kindergarten hier in Lissabon. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und haben bis jetzt auch schon sehr viele gemeinsame Ausflüge gemacht, gekocht, waren im Kino,...  was ich für mich gelernt habe war aber auch, dass alleine zu sein und einsam sein eben nicht das Gleiche ist. Ich hab mich oft alleine gefühlt aber einsam war ich nie. Deshalb genieße ich es mittlerweile auch oft einfach nur alleine zu sein und meine Ruhe zu haben. Meine Arbeit ist zwar nicht wirklich anstrengend aber wenn man den ganzen Tag mit Menschen zu tun hat und immer zuhört oder redet ist es auch mal ganz schön einfach Ruhe zu haben.

Dankbarkeit

Ich bin hier wirklich glücklich und fühle mich absolut wohl. Ich liebe diese Stadt, Lissabon ist so unglaublich schön, die Leute einfach freundlich und das Wetter einfach traumhaft.                              

Am Anfang hatte ich oft Heimweh. Ich fand es furchtbar von meiner Familie, meinem Freund und meinen Freunden getrennt zu sein. Ich freue mich zwar auch unglaublich wieder darauf nach Hause zu gehen aber wenn man erst einmal so weit weg ist, lernt man das alles, was man Zuhause hat zu schätzen und man weiß, was man an den Leuten hat. Mein Freund ist extra über Weihnachten zu mir geflogen, weil ich da Geburtstag habe, ab dem ersten Dezember habe ich fast jeden Tag bis Weihnachten von anderen Freunden einen Brief bekommen, als Adventskalender. Von meiner Gemeinde zuhause habe ich ein Päckchen mit einem Buch und einem Gemeindebrief bekommen. Das Alles hat mir bewusst gemacht was für tolle Menschen ich um mich herum habe und das nicht nur ich sie vermisse, sondern dass auch ich vermisst werde, obwohl alle ihren normalen Alltag und die normale Umgebung haben. Es ist erstaunlich wie schnell die Zeit jetzt hier doch vergeht, wenn man erst einmal einen geregelten Tagesablauf hat und das alles normal zum Alltag wird. Ich bereue es auf keinen Fall den Mut dazu gehabt zu haben ins Ausland zu gehen, denn die Erfahrungen die ich hier sammeln kann sind einfach unbezahlbar.

Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend
Diakonie
Gefördert von:
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Jugend in Aktion
Evangelische Kirche in Deutschland: EKD