Diakonisches Jahr im Ausland
Diakonisches Jahr im Ausland (DJiA)

Wie ich angekommen bin? Ist gefühlt schon ewig her, obwohl die Zeit hier mega schnell vergeht... Zuerst war alles neu und aufregend: ich wurde von fremden Menschen abgeholt, die von nun an meine Ansprechpartner sein würden und die ich nur von E-Mails her kannte; das Wetter in Spanien war schwül und drückend und ich müde. Dann fing es im sonnigen Spanien furchtbar an zu regnen und ich saß alleine in einer großen Wohnung, die ich mir 10 Monate mit zwei kaum bekannten Mädchen teilen sollte. Der erste Tag war schwer, definitiv! Aber am nächsten Tag kamen meine Mitbewohnerinnen an, für die alles genauso neu und unbekannt war und es wurde viel leichter für mich, einfach weil da zwei Menschen waren, die mit denselben Herausforderungen konfrontiert wurden.

 

Mittlerweile merke ich, wie schön es ist, alleine und selbstständig zu wohnen und zu leben. Dass man alles, was man tun will, tun kann – auch und vor allem alleine. Das musste ich hier erst mal lernen.

Ich finde es toll, dass ich im Ausland lebe, dass ich dieses Abenteuer tatsächlich gewagt habe! Es ist viel einfacher, als es für mich am Anfang aussah. Das war für mich wahrscheinlich die größte Hürde: mich nach Spanien zu begeben.

Ich hatte und habe auch oft Kontakt mit Zuhause, mit meinen Freunden und meinen Eltern. Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden, mir tut das gut.

Was ich hier auch gelernt habe, ist immer gelassen zu sein, von den Spaniern durch „poco a poco“ ausgedrückt. Diese Eigenschaft möchte ich auf jeden Fall verinnerlichen und mit nach Hause nehmen!

 

An die ersten Wochen hier kann ich mich kaum noch erinnern... Ich arbeite in der Seniorenresidenz „Solvida“ (genauso wie meine beiden Mitbewohnerinnen), wo wir für die (deutschen oder schweizer) Bewohner Freizeitgestaltung machen sollen. Ich habe mich mit der Arbeit in der Einsatzstelle vertraut gemacht, da kommt man eigentlich relativ schnell rein, denn die älteren Leute erzählen von selbst allerhand, und viel mit meinen Mitbewohnerinnen geredet. Wir haben uns gut verstanden, aber wir wurden von Anfang an mit unseren Vorgängerinnen verglichen, die anscheinend sofort beste Freundinnen und aufgedreht und sympathisch und Partylöwen waren. Das fand ich ziemlich schade, weil wir alle ja unterschiedlich sind.

Zu Beginn gab es viele Unstimmigkeiten, viele Kleinigkeiten, die uns störten. Die Atmosphäre war angespannt, alles war wie eine eingeschworene Gruppe, die wir drei plötzlich störten. Wir mussten viel abwaschen, obwohl wir ja eigentlich für die Bewohner da waren.

Nach dem ersten Seminar, das total viel Spaß gemacht hat, hatten wir alle eine kleine Depression. Wir wollten einfach nicht zurück! Um etwas zu ändern (darüber hatten wir am Seminar auch sehr viel gesprochen), riefen wir auch beim DJiA an. Alles in allem war das echt chaotisch und ein Hin und Her, aber letzten Endes hat es geholfen! Von da an mussten wir nicht mehr viel abwaschen und mit der Zeit klappte es auch besser und besser mit den Mitarbeitern. Mittlerweile haben wir sogar einen Tagesplan, der ist wirklich hilfreich!

Leider hat diese Phase aber einer meiner Mitbewohnerinnen gezeigt, dass so ein Jahr doch nichts für sie ist und sie flog zurück nach Hause. Seit dem sind wir hier nur noch zu zweit, wirklich nur zu zweit, weil wir noch immer keine Leute kennen gelernt haben! Sehr schade, aber so lernen wir hier auch Zeit mit uns selbst verbringen zu können.

 

Mittlerweile ist unsere Beziehung zu unserer Chefin auch viel besser geworden. Ich denke, das liegt nicht nur daran, dass wir sie mit der Zeit besser kennen und ihre positiven Eigenschaften schätzen gelernt haben, sondern auch an gemeinsamen Festen (zum Beispiel Weihnachten), die ein angespanntes Verhältnis wirklich auflockern! Sie kann man bei jedem Problem ansprechen und sie nimmt sich Zeit und behält einen klaren Kopf. Außerdem ist sie ganz direkt – was manchmal auch nicht so schön sein kann.

 

Dann: mit der Sprache ist das hier auch so eine Sache. Da wir in einer deutschen Organisation arbeiten, sprechen wir sehr viel deutsch. Viele Mitarbeiterinnen sind zwar Spanierinnen, aber die meisten lernen deutsch und dadurch verbessert sich unser Spanisch auch nicht wirklich. Generell wohnen hier in der Gegend viele Ausländer und leider bleiben Ausländer (uns inbegriffen) oft unter ihresgleichen.

 

Unsere Unterkunft ist gut, wir haben eine große Wohnung mit drei Toiletten (Luxus, Luxus!) und leise Nachbarn, allerdings merkt man doch, das Spanier dünner bauen und wahrscheinlich auch billiger als in Deutschland.

Das Mittagessen müssen wir in der Einsatzstelle einnehmen, aber das ist okay, meistens arbeiten wir ja sowieso über den Mittag. Zum privaten Einkaufen dürfen wir auch das Auto benutzen.

Bei Krankheitsfällen hatte ich leider auch schon Probleme, weil nicht ganz klar war, wie das mit Krankschreibungen und Arzt aussieht. Jetzt ist aber alles geklärt! Ich war sogar alleine beim spanischen Arzt, obwohl mein Spanisch seeehr holprig ist.

 

Da wir in Beniarbeig wohnen und arbeiten, einem kleinen Dörfchen mit drei Bussen pro Tag, ist es schwer für uns, hier irgendwie weg zu kommen. Klar, eine Wanderung in der Natur ist möglich, oder auf dem Fahrrad zum Einkaufszentrum, aber mit Abends mal ausgehen (abgesehen von den mini Bars hier im Dorf) oder irgendwo einen Kurs belegen sieht es schlecht aus. Allerdings habe ich mich daran gewöhnt und genieße die freie Zeit einfach ganz gechillt oder mache einen Tagesausflug in eine andere Kleinstadt (mit dem Bus zu erreichen).

 

Für die kommende Zeit wünsche ich mir, mein Spanisch noch zu verbessern, die Gegend hier mehr zu erkunden, damit ich auch weiß, wo ich hier eigentlich wohne und was genau la vida españa ist, und das, was noch kommt, ganz gelassen zu nehmen! ;)

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