Diakonisches Jahr im Ausland
Diakonisches Jahr im Ausland (DJiA)

Viele Grüße aus Budapest

Meine Ziele & Entwicklung

Zu Beginn des Freiwilligendienstes war mein Ziel, den Geflüchteten soviel wie möglich zu helfen, mich selbst und eine andere Kultur besser kennen zu lernen und auf meinen späteren Beruf (Erzieherin, Jugendreferentin und wahrscheinlich Sozialarbeiterin) vorbereitet zu werden. Außerdem wollte ich viel reisen, viele neue Leute kennen lernen und eine neue Sprache lernen. Im Prinzip ist mir all das gelungen (naja, die Sprache braucht noch etwas) und zum Teil sogar noch besser als erwartet!

Ich habe entdeckt, dass ich viel geduldiger und gelassener geworden bin und auch selbstständiger. Außerdem kann ich besser organisieren und halte meine antrainierte Pünktlichkeit. Auch ist die Aussprache von Ungarisch gar kein so großes Problem für mich, wie ich anfangs gedacht hatte. Da ich das Land und die Gegebenheiten hier mittlerweile ziemlich gut kennengelernt habe, bin ich viel dankbarer und bescheidener geworden; wir in Deutschland haben schon echt Glück!

Ein wenig Schwierigkeiten habe ich mit dem Geldmanagement, obwohl ich nach ein paar Wochen ein wirkliches Aha-Erlebnis hatte: einmal habe ich sehr lange mit meiner Mentorin hier geredet und sie hat mir erklärt, wie schwierig und hart das Leben vor allem finanziell für sehr viele Ungarn ist. Da bin ich total dankbar geworden und kam mir auf einmal wirklich reich vor... selbst wenn mein Leben auch nicht das einfachste war.

Für die restliche Zeit meines Dienstes hier nehme ich mir vor, in meiner Einsatzstelle noch mehr Mini-Projekte wie Back- und Malnachmittage zu organisieren, noch viel zu reisen, mein Ungarisch zu verbessern und meinen Umgang mit Geld ebenso. Ich möchte noch viel mit meinen neuen Freunden unternehmen und mich schon auf die anschließende Ausbildung am Marburger Bibelseminar vorbereiten. Auch werde ich Besuch von Freunden und wahrscheinlich meiner Schwester bekommen.

Mein Einsatzstelle

Meinen Freiwilligendienst leiste ich in einem Stadtteilprojekt - also ein Zentrum mit Angeboten für alle möglichen Menschen. Ich wurde hier sehr freundlich aufgenommen und willkommen geheißen.

Meine Einarbeitung gab es eigentlich gar nicht, da ich mich von Anfang an eher selbst organisieren musste und am Anfang nur für die Lobby zuständig war sowie ein wenig die Klamotten bei unserer Kleidersammlung sortieren sollte.

Nach und nach fragten mich viele Migranten oder Geflüchtete, ob ich Englisch unterrichten würde und ich organisierte dann die Stunden selbst. Mir wurde lediglich gesagt, dass ich kein Deutsch unterrichten darf, da die Leute erstmal Ungarisch sowie Englisch lernen sollen, da sie jetzt gerade ja hier sind.

Meine Aufgaben sind größtenteils Englisch (seit neustem sogar einer Frau Deutsch) zu unterrichten, in der Lobby die Leute willkommen zu heißen, die Tür zu öffnen und immer für frischen Kaffee, Tee, Wasser und Tassen zu sorgen. Außerdem bin ich manchmal Babysitterin, organisiere Spiel-, Back- und Bastelnachmittage mit anderen Freiwilligen für Kinder und junge Leute und helfe, am ersten Sonntag im Monat für die Schottische Kirche, mit der wir verbunden sind, zu kochen. Vor kurzem bin ich mit einer Kollegin und einer Klientin ins Job- und Familienhilfecenter gegangen, um mal zu sehen, wie das in Ungarn so abläuft. Außerdem bringe ich jeden Montagmorgen einen authistischen Jungen zur Schule.

Meine Auslastung kann manchmal sehr viel sein, manchmal aber auch sehr wenig, es kommt darauf an, wie ich meinen Stundenplan gestalte bzw. wie viele Schüler an welchem Tag Zeit haben. Ich bin aber sehr zufrieden, wie es ist. So lerne ich, mich selbst und meinen Zeitplan besser zu organisieren.

In meinem Projekt bin ich die einzige Langzeitfreiwillige, aber es kommen immer wieder welche, die für ein paar Wochen oder Monate bleiben, also alleine bin ich nie. Darüber bin ich sehr froh, denn allein könnte ich nie alle unterrichten, die Englisch lernen bzw. verbessern wollen.

Auch kann ich mich mit ihnen über unsere Arbeit hier austauschen und bin nicht die Einzige auf dem "Freiwilligenlevel". Die Programme zu organisieren macht gemeinsam auch viel mehr Spaß, es hat also nur Vorteile.

Meine Unterkunft

Meine Unterkunft ist ein Altbau, worin ich immer schonmal wohnen wollte. Es gibt zwei Einzelzimmer und zwei Doppelzimmer, ich teile mir mit einer Ungarin aus der Slowakei das Zimmer. Da der Raum mit Schränken und einem Schreibtisch getrennt ist, hat jeder seine private Ecke, aber wir verstehen uns sowieso supergut und haben viele gemeinsame Angewohnheiten, sodass das Zusammenleben sehr toll ist. Wir leben zu fünft (anfangs sechs, aber eine hat leider abgebrochen) in der Wohnung und hatten bisher noch keine großen Probleme. In der Wohnung gibt es immer mal wieder Dinge, die kaputt gehen oder nicht funktionieren, aber innerhalb kurzer Zeit schickt ÖDE uns jemanden, der es repariert.

Wir bekommen von ÖDE genug Geld fürs Frühstück und Abendessen und kriegen das Mittagessen unter der Woche auf der Arbeit. Da es in meinem Projekt keine Küche gibt, bekomme ich Geld, um im Supermarkt einzukaufen und zuhause für mich selbst zu kochen.

Ich fühle mich ziemlich sicher da, wo ich lebe und arbeite. Auch wenn ich spät allein unterwegs bin, habe ich keine Angst.

Freizeit

Hier in Budapest gibt es endlos viele Freizeitmöglichkeiten. Auf Facebook und auf Flyern, die man oft in die Hand gedrückt bekommt, findet man etliche Events, darunter auch sehr viele kostenfreie. Da ich meine Hobbies auch weitermachen bzw wieder aufnehmen wollte, hat meine Mentorin mir geholfen, einen Reiterhof mit englischsprechender Lehrerin gefunden, der nicht so teuer ist. In der schott. Kirche, in die ich gehe, finden öfter mal kostenlose Konzerte oder auch günstige Schott. Tanzabende statt. Außerdem wurde in dort seit kurzem ein Chor gegründet, in dem ich in Zukunft mitsingen werde. Man findet jedenfalls immer etwas, worauf man Lust hat. Will man in die Natur, gibt es Busse, die raus aus der Stadt fahren. Auch Wochenend- oder Tagestrips sind ziemlich günstig. Wenn ich keine Lust habe, rauszugehen, bleibe ich einfach zuhause, schaue Filme oder telefoniere mit Freunden oder der Familie. Ich habe auch ein paar Privatschüler, denen ich beim Deutschlernen helfe und ab und zu gehe ich zu einem großen Lobpreisabend für junge Leute, der regelmäßig stattfindet. Auch treffe ich mich oft mit Freunden zum Spazieren, um in ein Café, Museum oder Essen zu gehen. Manchmal machen wir auch Abende in einer der Freiwilligenwohnungen und quatschen viel.

Begleitung

Mit der Aufnahmeorganisation ÖDE haben wir öfter Emailkontakt und ab und zu ist mal einer von ihnen im Büro, wenn wir Ungarischunterricht haben. Aber wenn ich zum Beispiel etwas für die Wohnung gekauft habe, wofür ich das Geld zurückbekomme, dauert es fast immer etwas lang, bis ich jemanden treffe, der mir das Geld geben kann. An das Monatsticket denke ich immer selbst und muss nachfragen, wie und wo ich es bekomme oder ob ich es vorerst selbst kaufen soll, das stört mich ein wenig. In Bezug auf Geldangelegenheiten und auch auf kaputte Lampen in unserer Wohnung wünsche ich mir schnelleres Handeln wünschen. Insgesamt bin ich aber eher zufrieden mit unserem Kontakt.

Wir bekommen ja manchmal Emails von den Ev. Freiwilligendiensten und ich weiß somit, dass sie an uns denken und uns immer für Fragen und Probleme zur Verfügung stehen. Ich finde es gut, dass wir während unseres Jahres immer mit ihnen verbunden sind, bin also zufrieden.

Liebe Grüße aus Budapest,

Jette

Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend
Diakonie
Gefördert von:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Jugend in Aktion
Evangelische Kirche in Deutschland: EKD