Diakonisches Jahr im Ausland
Diakonisches Jahr im Ausland (DJiA)

Im Land der (un)begrenzten Möglichkeiten

Ich bin Julia, 23 Jahre alt und habe mich nach einem dualen Studium für ein Jahr soziales Engagement mit den evangelischen Freiwilligendiensten in den USA entschieden.

Seit fünf Monaten arbeite ich nun schon in einer Suppenküche in Port Huron, das ist in Michigan direkt an der Grenze zu Kanada, und um das Fazit vorwegzunehmen, ich habe bisher schon viel über mich gelernt, einige Ansichten revidieren müssen, aber auch neue Kompetenzen erworben.

Meine Arbeit

Meine Arbeit hier würde ich vor allem als sehr abwechslungsreich und kommunikativ beschreiben. Grundsätzlich arbeite ich von Montag-Freitag von 8 - 17.30 Uhr in der Suppenküche.

Da nur meine Chefin und ich wirklich „fest angestellt“ sind, sind wir auf die Hilfe von zahlreichen Freiwilligen angewiesen, was hier aber überhaupt kein Problem ist. So hat jede Kirchengemeinde ihren festen Tag im Monat und wir haben um die 60 Gruppen (800 Freiwillige), die uns bei der Vorbereitung und der Ausgabe des Essens behilflich sind. Für mich bedeutet das, dass ich täglich mit neuen, unbekannten Gesichtern zusammenarbeite, neue, interessante Geschichten höre, aber auch organisatorische Abläufe immer und immer wieder erklären muss und vor allem, dass ich lernen musste, bestimmt, aber trotzdem höflich delegieren zu können, sodass wir innerhalb von zwei Stunden einen Salat, ein Hauptgericht, Gemüse, Brot und einen Nachtisch für unsere „Kunden“ bereit haben.

Unsere Kunden, das sind jährlich 1400 Menschen aus der Region, mit den verschiedensten Hintergründen und Lebensgeschichten, die auf unsere Mahlzeiten angewiesen sind. Manche davon sehe ich seit den letzten Monaten täglich, andere wiederum essen nur über einen Zeitraum von 2-3 Wochen bei uns und verschwinden dann im wahrsten Sinne des Wortes wieder. Denn das Vertrauen unserer Kunden zu gewinnen, und damit mehr über sie zu erfahren, ist sehr schwierig und für mich ein immer noch andauernder Prozess.

Ich wohne direkt neben der Suppenküche. Daher musste ich am Anfang deshalb vor allem lernen Grenzen zu setzen. Mittlerweile fühle ich mich aber akzeptiert und kann mich sogar bei Streitereien unter unseren Kunden sehr gut durchsetzen. Denn diese kommen vor und auch mit anderen Problemen wie Alkohol- und Drogenmissbrauch musste ich lernen umzugehen ohne dies zu verurteilen.

Wenn mein Job eines verlangt, dann ist das also wahrscheinlich Frustrationstoleranz. So habe ich zum Beispiel versucht einen Spielenachmittag einzuführen, bei dem ich einfache Gesellschaftsspiele mit unseren Kunden spiele. Dieses Angebot gibt es seit einem Monat, wir weisen bei fast jedem Essen darauf hin, doch trotzdem wird es nicht angenommen. Aber auch diese Erfahrungen gehören zu meinem Jahr hier. Und wie mir eine sehr beeindruckende Frau am Anfang meines Jahres gesagt hat: „Diese Menschen haben einen völlig anderen Hintergrund als du, sie haben andere Erfahrungen gemacht und alle Entscheidungen, die sie jetzt treffen, machen sie auf der Grundlage ihrer Erfahrungen. Du wirst sie niemals verstehen können, das einzige, was du tun kannst, ist ihnen immer wieder die Möglichkeit zu geben ihnen zu helfen und darauf hoffen, dass sie deine Hilfe irgendwann einmal annehmen.“ Und damit hatte sie einfach verdammt recht.

Das Leben in einer Kleinstadt des Mittleren-Westens

Natürlich konnte ich nach fünf Monaten hier in Michigan auch schon einiges über die Lebensweise lernen. Auf den ersten Blick wirkt das Leben in Michigan wie in anderen Industrienationen. Aber auf den zweiten Blick sind die Unterschiede gewaltig. So findet man an öffentlicher Waffenpräsenz meist nichts Schlimmes. Allgemein sind viele Menschen hier viel mehr politisch engagiert als ich kenne. Vor der Wahl für den obersten Richter am Sozialgericht in unserer Stadt im letzten Jahr hatten so z. B. fast alle Nachbarn ein Schild im Vorgarten mit dem sie einen der Kandidaten unterstützten. Dabei sollte ich meine Aussage sogar noch weiter fassen, die Menschen sind nicht nur politisch deutlich häufiger engagiert, sie sind ganz allgemein engagierter: ob in ihrer Gemeinde, dem sportlichen Umfeld oder für ein bestimmtes Thema. Obwohl Port Huron nur eine Kleinstadt ist, gibt es hier fast jede Woche Events für wohltätige Zwecke wie die „Homless Awareness week“, den „walk for heat“ oder ähnliches. Davon profitieren natürlich auch wir als Suppenküche.

Kirche und Glaube in Michigan

Allgemein wird der Glaube hier viel öffentlicher gelebt als ich es gewohnt war. Der Glaube ist hier überall irgendwie präsent, ob im TV, beim Essen oder auch beim Sport. Er ist Teil des Alltags. So kommt es auch, dass ich innerhalb von 5 Minuten Fußmarsch 9 Kirchen passieren kann.

Denn es gibt hier auch sehr viele, sehr unterschiedliche Glaubensrichtungen: Baptist churches, methidost churches, presbyteriens, … Es sollte also für jeden etwas dabei sein.

Gerade am Anfang wurden wir sehr durch die zahlreichen Gemeinden in unserer Umgebung unterstützt. Unser Haus war eingerichtet, nicht nur mit Möbeln, sondern auch mit Essen, Fahrrädern und Putzmitteln. Auch heute noch gehen wir mindestens 1-Mal wöchentlich zum Abendessen in eine der Gemeinden und nehmen so am Gemeindeleben teil.

Begleitung

Meiner Ansicht nach macht das DJiA einen super Job. Ich habe mich im ganzen Bewerbungsprozess, wie auch hier immer gut betreut und informiert gefühlt. Auch LVC ist super interessant und die Seminare sind spannend, lehr- und hilfreich! Von Selbstreflexion bis hin zu „live green“ war so ziemlich alles dabei.

Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend
Diakonie
Gefördert von:
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Jugend in Aktion
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